Aufruf zur Demo
Aufruf zur Demo am Montag, den 12. Mai 2008 (Pfingsten) 10.00 Uhr, Bonn Rheinauen, Kleine Blumenwiese
Natur für die Menschen und nicht fürs Geschäft - Widerstand ist fruchtbar!
„UN-Naturschutzkonferenz“ nennt es die Bundesregierung, wenn sich im Mai die Vertragsstaaten der Konvention über Biologische Vielfalt und des Protokolls für Biologische Sicherheit in Bonn treffen. Tatsächlich geht es dort um sehr viel mehr als um den sicher wichtigen Naturschutz. Nicht zuletzt hängt die Ernährungssituation vieler Menschen von den Beschlüssen der beiden Konferenzen ab. Bisher ernährt sich die Mehrheit der Menschen noch ganz oder überwiegend von Produkten, die sie oft selbst angebaut haben, die aber auf jeden Fall aus ihrer Region stammen. Doch der größte Teil der heute produzierten Nahrungsmittel wird in (groß)industrieller Landwirtschaft hergestellt und weltweit exportiert und gehandelt.
Der globale Agrarexport ist also ein zentrales Moment dieses Produktionsmodells. Dieser lohnt sich nur, wenn großflächig und möglichst nur das gleiche Produkt angebaut werden kann. Das hat in vielerlei Hinsicht weitreichende Konsequenzen:
Die Ökologie wird zerstört. Das Ziel hoher Erträge macht alle anderen Pflanzen und Tiere auf dem Boden zu Schädlingen. Sie werden mit einem hohen Einsatz von Chemie vernichtet, das Wachstum der erwünschten Art wird mit massiven Düngergaben gefördert. So verschwindet nicht nur die Artenvielfalt und die Böden werden nachhaltig vergiftet, sondern der über lange Zeiträume erfolgende Anbau solcher Monokulturen lässt auch die Bodenfruchtbarkeit überhaupt schwinden. Kleinste bis mittlere bäuerliche Betriebe produzieren für den Eigenbedarf oder für lokale Märkte. Sie geraten durch das großindustrielle Anbaumodell in ökonomische Schwierigkeiten und können oft nicht überleben. Bisherige Eigenproduzenten wandern aus Not in die Städte ab, die lokalen Märkte werden weniger bis kaum noch beliefert, weil die großen Betriebe für den Weltmarkt produzieren.
Auf den Weltmärkten wird heute der beste Preis für solche Pflanzen bezahlt, die sich zu Agrotreibstoffen verarbeiten lassen. Das Agrarexportmodell ist zwar mit der Verbrennung von Pflanzen zu Sprit nicht erst erfunden worden, aber es wird massiv beschleunigt und im Umfang ausgedehnt. Die Einbeziehung neuer Flächen in den Ackerbau führt zur Zerstörung noch halbwegs intakter Landschaften (Urwälder, Savannen) und zu noch mehr Bodenverdichtung und -erosion. In vielen Regionen der Welt führt die Nachfrage nach Energiepflanzen heute schon dazu, dass Kleinbauern von ihrem Land vertrieben werden oder dass sie ihrerseits die Nahrungsmittelproduktion für den heimischen Markt einstellen, um für Großkonzerne Brennstoffe zu produzieren.
Damit verstärken sich alle Tendenzen zum Großen und zum Weltmarkt. Die direkten Erzeuger und die KonsumentInnen werden weniger wichtig, Großkonzerne und Monokultur werden zum Maßstab aller Dinge. Für deren Zwecke scheint die Gentechnologie oft die angepasstesten Lösungen zu bieten. Bislang beruht der Widerstand gegen die grüne Gentechnik vor allem darauf, dass die Menschen gesunde Lebensmittel essen wollen. Wenn die Pflanzen aber ohnehin „fürs Auto“ sind, dann setzen die konzerne daraif, dass keiner mehr so genau hinschaut und damit auch der bisherige Widerstand gegen die Gentechnologie schwindet. Die Förderung von Agrotreibstoffen soll also nicht nur die Kritik am hohen Erdölverbrauch dämpfen, sondern gleichzeitig den anhaltenden Widerstand gegen die großndustrielle Struktur der Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung schwächen.
Selbst wenn Agrotreibstoffe unter bestimmten Bedingungen zu einer ökologischen Entlastung beitragen könnten, würden sie die sozialen Probleme verschärfen. In Indonesien zum Beispiel werden die Regenwälder abgeholzt, um Ölpalmen für Sprit anzubauen, und mit ihnen verschwinden die Lebensmöglichkeiten der Menschen. In Argentinien steht heute Soja oder Eukalyptus auf Flächen, die noch vor kurzem zur Produktion riesiger Weizenernten genutzt wurden. Die Energie- und Automobilkonzerne sind um ein gutes Image bemüht: sie kümmern sich doch um „die Erneuerbaren“! Tatsächlich steigern sie dafür den Ressourcentransfer vom Süden in den Norden. Werden die damit verbundenen sozialen Probleme nicht endlich wahrgenommen, dann könnte sich unser ganzes irrwitziges Industrie- und Konsummodell auf Kosten des Südens erneut verfestigen.
Wir müssen endlich die dringend notwendige Debatte führen, wie wir eigentlich leben wollen, welche Produkte und Dienstleistungen denn Teil eines guten Lebens für alle und jede und jeden sind, was wir produzieren wollen und wie wir das tun sollten. Artenvielfalt ist nicht nur eine romantische Natureigenschaft, die man in Reservate und Schutzzonen sperren kann, und das Agrarexportmodell ist nicht nur eine Art, die Welt mit einer Masse einförmiger Nahrungsmittel zu versorgen. Die Zerstörung der Artenvielfalt zu Gunsten der Stärkung des Agrarexportmodells verbaut uns Perspektiven auf die Zukunft.
· Der Entwicklung regionaler Märkte in den Ländern des Südens und der Versorgung der heimischen Bevölkerung muss endlich Vorrang eingeräumt werden.
· Es darf keine – auch keine versteckten – Exportsubventionen für landwirtschaftliche Produkte vor allem aus dem EU-Raum und den USA in Länder des Südens mehr geben.
· Internationale Abkommen müssen dem Süden die Möglichkeit geben, die eigenen Agrarmärkte zu schützen. Die Verhandlungen über weitreichende Freihandelsabkommen zwischen der EU und Ländern des Südens müssen gestoppt werden.
· Die EU muss sofort von ihrem Ziel abrücken, den Agrospritanteil auf zehn Prozent zu steigern. Subventionen und Förderungen für Agrosprit-Pflanzenanbau müssen eingestellt werden.
· Es muss eine vorrangiges Ziel werden, den Energieverbrauch zu reduzieren. Die Förderung energiesparender Technologien ist ebenso notwendig wie strenge Begrenzungen für den Spritverbrauch von Kraftfahrtzeugen.
* Das Agrarexportmodell muss durch eine vielfältige und gesunde Landwirtschaft in bäuerlicher Produktion ohne Gentechnik abgelöst werden.
Deshalb rufen wir auf zur Teilnahme an der Demonstration für Biologische Vielfalt am
Montag, den 12. Mai 2008 (Pfingsten)
10.00 Uhr, Bonn Rheinauen, Kleine Blumenwiese
Wem gehört die Natur? « Wem gehört der Himmel? sagte,
6. Mai 2008 @ 4:42 Uhr nachmittags
[...] Attac beteiligt sich mit einem eigenen Aufruf an der Demo gegen Gentechnik und für Vielfalt in der [...]